Bei allen Verbstammtypen der finnischen Südwestdialekte trifft im Charakter des Partizips II Passiv
eine Gemination des Segments t auf, die die Bedingungen einer Spezialgemination befolgt.
Ein anderer eigentümlicher Zug ist die nach dem Vokal des Charakters wirksam werdende Auslautgemination
(x), die ihrerseits einen Spezialfall der Auslautgemination in den Südwestdialekten
darstellt und auf einen früheren verschwundenen auslautenden Klusil der Charaktersilbe verweist.
Eine dritte Besonderheit bildet die am Anfang der Charaktersilbe herrschende scheinbare
Starkstufigkeit. Beispielsweise myyttyx:
O myyttyk kalòi;
O myyttyp paljo; O myyttyt talò; O myyttys siämeni.
Es ist bisher angenommen worden, daß es sich bei dem verschwundenen auslautenden Klusil um ein *t handelte. Der Verfasser bringt jedoch Begründungen vor, die dafür sprechen, daß ein *k vorlag. Die Begründungen sind sowohl morphologischer als auch syntaktischer Natur. Sie beruhen wesentlich auf der Tatsache, daß die erwähnten drei Erscheinungen das Partizip II Passiv der Südwestdialekte außer in dessen Nominativ Singular auch im Partitiv Singular charakterisieren.
Der Nominativ und der Partitiv stimmen im Singular des Partizips II Passiv praktisch überein und bilden einen Doppelkasus. Beispiele für den Gebrauch des Partitivs: Syäs sitä paistettuk kalà; Hän sai myyttyk kalàs. Die im letztgenannten Fall auftretende Gebrauchsform des Partitivs in der Bedeutung eines Lativs spricht dafür, daß die Ausgangsform des Hauptverbs in dem satzäquivalentartigen Ausdruck der Lativ der Nominalform ist. Der Charakter des Lativs, nämlich *k, hätte sich dem Partitivcharakter des Verbalnomens angeschlossen, und der so entstandene Doppelkasus hätte seinen Gebrauchsbereich auch auf andere Gebrauchsweisen des Partitivs und schließlich auch noch auf den Verwendungsbereich des Nominativs ausgeweitet. Die obigen Verbformen hätten also ursprünglich so aussehen müssen: *paistettu|ta|k, myyty|δä|k. Die auslautenden Konfigurationen wären hier also die gleichen wie im Infinitiv I der Verben, z. B. *ajaδak, und in Lativpartikeln *kotiδak, *etiδäk. Die ungewöhnlichen Eigenschaften des Partizip II Passiv in den Südwestdialekten finden damit eine Erklärung. In dem Aufsatz werden außerdem die Mängel früherer Erklärungen dargelegt.
Der Doppelkasus kann auch in das Passivparadigma eingeführt werden, wenn dieses
in geeigneter Weise erweitert wird. Dabei empfiehlt es sich, auch das Aktivparadigma eines
Kausativverbs zu ergänzen, indem der lativische Infinitiv I eines entsprechenden Passivverbs
dazu gerechnet wird. Der Doppelkasus und der Infinitiv I entsprechen einander in den erweiterten
Paradigmen sowohl in ihren morphologischen als auch syntaktischen Eigenschaften:
myyttyx & väänttyx < *myytyδäk &
*vääntyδäk
Von hier aus gelangt man zu der viel diskutierten Identifikation der Verbalen Passiv- und Kausativcharaktere (t)t sowie weiterhin zu der Gleichsetzung des Labialvokalsegments u/y des Partizips II Passiv und des reflexiven Verbalsuffixes u/y. Außerdem sieht man, daß die passive Variante e des Verbalstammvokals a/ä und der Komparativstammvokal e der Adjektive nicht unbedingt verschiedene Dinge sind. Der Zusammenhang läßt sich in einem Schema veranschaulichen:
jätètti(n) : jätèttyx
kylmettyx : kylmenttyx
syvènttyx : syvèmpi
Sofern die Theorie von einem Doppelkasus richtig ist, kann das bedeuten, daß im Urfinnischen eine für den k-Lativ bisher unbekannte Gebrauchsweise existiert. In ihr fällt der Gebrauch des passivförmigen Aktivverbs mit dem Gebrauch des aktivförmigen Passivverbs zusammen. Die Theorie muß jedoch noch durch umfassendere Untersuchungen erhärtet werden.